Unterrichtsreihe Rollstuhlbasketball: Inklusion im (Sport-)Unterricht

Hinführende Unterrichtsstunden zum Projekt "Rollstuhlbasketball – Inklusion an hessischen Schulen"


Überblick über die Unterrichtsreihe:

UnterrichtseinheitInhalt
1. Doppelstunde Inklusion – praktischer Einstieg: "Wir erobern gemeinsam den Mattenturm"; erste Erfahrungen mit dem Thema Inklusion
2. Doppelstunde Inklusion – Theorie: Unterschiede und Gemeinsamkeiten; Kurzfilme der Aktion Mensch; Reflexion der Filme unter
bestimmten Fragestellungen; mögliche Stundenabschlüsse
3. Doppelstunde Zehnerball, Passen und Fangen, Zweiballwurf, Inselspiel, Schattenprellen, Jäger und Hase
4. Doppelstunde

Mehrtoreball, Prellen mit Positionswechsel, Kreiswerfen, Ballprellen im Kreis, Korbleger, Rückwärtsball

5. Doppelstunde Theorie und Geschichte des Rollstuhlbasketballs
6. Doppelstunde Übungen zu den Grundtechniken: Schattenfahren, Ball vom Boden aufnehmen, Romeo und Julia, Dribbelübung, Nummernwettlauf, Zehnerball, Zielspiel Rollstuhlbasketball

Bilderreihe zum Projekt "Rollstuhlbasketball – Inklusion an hessischen Schulen"

Informationen zur Unterrichtsreihe

Inklusion in der Schule
Die UKH hat den gesetzlichen Auftrag, Sicherheit und Gesundheit in hessischen Schulen zu fördern. Und seit vielen Jahren ist es wissenschaftlich erwiesen: Kinder haben viel zu geringe Bewegungserfahrungen. Kurz gesagt: Kinder bewegen sich zu wenig. Dieses Defizit führt u. a. zu Unfällen mit zum Teil schweren Folgen. Die UKH als gesetzliche Schüler-Unfallversicherung will hier gegensteuern.

Kinder, die sich gut bewegen können, haben weniger schwere Unfälle.

Das ist einer der Gründe für die UKH, sich beim Projekt "Rollstuhlbasketball – Inklusion an hessischen Schulen" einzubringen und möglichst viele Schulen und Lehrkräfte für das Projekt zu gewinnen. Rollstuhlbasketball macht Kindern und Jugendlichen Spaß und ist daher besonders geeignet, um sie für Sport und Bewegung zu begeistern. Die beste Voraussetzung also, um mehr Bewegung ins Schülerleben zu bringen.

Unser zweiter Ansatz ist es, nachhaltige Maßnahmen der Inklusion im Schulsport erlebbar zu machen. Die Schüler*innen setzen sich mit dem Thema Behinderung aktiv und spielerisch auseinander. So werden Berührungsängste abgebaut. Schüler mit und ohne Handicap lernen, dass sie gemeinsam Sport treiben können und dass dies richtig Spaß macht.

Unsere Gesellschaft wird immer vielfältiger. So kommt es vor, dass in einer Klasse eine komplett heterogene Gruppe zusammenarbeitet. Bei diesen Unterschieden geht es nicht nur um unterschiedliches Aussehen, sondern auch um Menschen mit einer "Behinderung". Durch inklusiven Sportunterricht ist es möglich, alle Schüler*innen gleichermaßen möglichst gut in die Lernprozesse miteinzubeziehen. Die Herausforderung besteht in erster Linie in den verschiedenen Leistungsvoraussetzungen und deren Bewertung.

Bildung ist für alle da, und der Sport auch! Sei es in der Freizeit mit Freunden oder im Schulsport mit inklusiven Sportarten, wie Rollstuhlbasketball können alle die Faszination Sport erleben. Dafür haben wir das Projekt "Rollstuhlbasketball – Inklusion an hessischen Schulen" 2013 ins Leben gerufen. Ziel ist es, ein Gefühl von echter Gleichheit und Gemeinschaft zu erschaffen. Und das nicht nur während der Schulzeit, sondern auch im Alltag. Im offenen Gespräch in der Vor- und Nachbereitung haben Schüler*innen die Möglichkeit, sich zusammen und miteinander mit dem Thema Behinderung auseinanderzusetzen. So kommt es vor, dass ein Rollstuhl zum Beispiel nicht mehr direkt mit einer körperlichen Benachteiligung in Verbindung gebracht wird, sondern in erster Linie mit einem Sportgerät. Beim Schulprojekt "Rollstuhlbasketball – Inklusion an hessischen Schulen" handelt es sich um eine Initiative der Unfallkasse Hessen (UKH) in Kooperation mit den Mainhatten Skywheelers.

Unser Auftrag ist es, Sicherheit und Gesundheit in hessischen Schulen zu fördern und Unfällen so gut es geht vorzubeugen, denn Prävention hat das Ziel, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren mit allen geeigneten Mitteln zu verhindern sowie für eine wirksame Erste Hilfe zu sorgen. Dafür möchten wir dem Bewegungsmangel vieler Kinder und Jugendlichen mit verschiedenen Projekten entgegensteuern. Mehr Sicherheit durch Bewegung, genau das ist unser Wunsch. Das Projekt "Rollstuhlbasketball – Inklusion an hessischen Schulen" ist entstanden, um Kindern die Freude an der Bewegung und dem Schulsport zu vermitteln. Als gesetzliche Unfallkasse des Landes Hessen haben wir uns der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet. In Artikel 24 der Konvention garantieren die Vertragsstaaten "ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen". Des Weiteren heißt es, dass Kinder im Normalfall "nicht aufgrund von Behinderung vom unentgeltlichen und obligatorischen Grundschulunterricht oder vom Besuch weiterführender Schulen ausgeschlossen werden" (Art. 24 Abs. 2 a). Ziel dieser Konvention ist es, den gemeinsamen Unterricht von Menschen mit und ohne Behinderung zum Normalfall zu machen. Dieses Vorhaben deckt sich sehr gut mit der Zielvorstellung unseres Projekts "Rollstuhlbasketball – Inklusion an hessischen Schulen".

Basketball hat schon länger seinen Platz in der deutschen Gesellschaft und im Sportunterricht. Dabei ist vielen gar nicht klar, dass es auch eine inklusive Variante der beliebten Ballsportart gibt. Rollstuhlbasketball bietet Menschen mit und ohne Handicap die Chance, Teamgeist und Wettkampfwillen zu erfahren und sich aktiv am Sportgeschehen zu beteiligen. Außerdem trägt es gerade im Kinder- und Jugendalter positiv zur Entwicklung von Verantwortung sowie von Toleranz bei und fördert sachliche, methodische und soziale Kompetenzen jedes einzelnen Schülers. Ziel der Unterrichtsreihe soll vor allem sein, Barrieren abzubauen.

Bevor die Schüler*innen aktiv in die Rollstühle steigen, bieten wir Ihnen Materialien zur Vorbereitung der Unterrichtseinheit "Rollstuhlbasketball – Inklusion an hessischen Schulen" an. Die Materialien umfassen sechs Doppelstunden, die Sie im Vorfeld mit Ihren Schüler*innen durchführen können.

Ziel ist es dabei, den Schüler*innen einen Perspektivwechsel zu ermöglichen und sie für das "individuelle Sosein" und für das Recht der Gleichheit, das allen eine aktive Teilhabe ermöglichen soll, zu sensibilisieren.

In der ersten Doppelstunde (Sportunterricht) bekommt die Klasse eine kooperative Aufgabe, die sie gemeinschaftlich lösen soll. Einige Schüler*innen werden dabei mit einem Handicap versehen. Helfen und Hilfe annehmen, Teilnahme und Beteiligung aller am Lösungsprozess und an der Durchführung stehen im Mittelpunkt. In der Nachschau wird das Erlebte zum Ausdruck gebracht.

Die zweite Doppelstunde (Klassenraum) soll die gemachten Erfahrungen aufgreifen und die Erkenntnisse vertiefen, dass wir alle verschieden sind und uns in dieser Vielfalt gegenseitig bereichern können.

Die dritte und vierte Doppelstunde dient der Vorbereitung auf das Zielspiel Basketball.

Die fünfte Doppelstunde befasst sich mit der Theorie und die darauffolgende Doppelstunde mit der Praxis des Rollstuhlbasketballs.

Sie halten keine fertig gestalteten Unterrichtsstunden in den Händen: Das Material soll dazu einladen, eine Zugangsmöglichkeit am Beispiel kennenzulernen. Es bietet eine Möglichkeit, die Themen Inklusion, Vielfalt, individuelles Sosein und Gleichheit zu bearbeiten – sicherlich gibt es hierzu noch viele andere Ideen.

Die sechs geplanten Unterrichtsstunden belaufen sich auf jeweils 90 Minuten und sind optimale Vorbereitung in Theorie und Praxis. Die erste Doppelstunde behandelt dabei das Thema Inklusion im Allgemeinen und bietet einen Einstieg über einen erlebnispädagogischen Ansatz. Die Unterrichtsstunden drei und vier beziehen sich auf "Fußgänger"-Basketball und in den letzten beiden Unterrichtsstunden werden die Regeln und Besonderheiten des Rollstuhlbasketballs sowie einige Übungen vorgestellt. Mithilfe dieser Unterlagen sollen Sie als Sportlehrkraft in der Lage sein, alle Schüler*innen fachkompetent nach der Idee eines inklusiven Schulsystems zu fördern.

Methodik und Didaktik
Inklusion, darunter versteht man ein bedingungsloses Gefühl von Zugehörigkeit und Gleichheit, aber wie vermittelt man das Schülern im Unterricht? Wichtig ist am Schluss nicht, dass sie auf die Frage, was Inklusion sei, die kürzeste Definition fehlerfrei aufsagen können, sondern dass sie die Idee hinter inklusivem Unterricht verstehen. Die Schüler sollen selber erfahren, was Inklusion bedeutet und wie sie dazu beitragen können, einen Unterricht inklusiv zu gestalten. Daher ist es in dieser Einheit besonders wichtig, den Schülern viel Freiraum bei der Entwicklung ihrer eigenen Konzepte zum Thema Inklusion zu lassen.

Eine entscheidende Rolle für das Gelingen des Projekts spielen auch die regelmäßigen Reflexionsphasen, in der die Schüler*innen die Möglichkeit haben, ihr eigenes Handeln zu hinterfragen und sich als Gruppe damit auseinanderzusetzen. Das schafft die Voraussetzung, zusätzlich zu den praktischen Erfahrungen den Inklusionsgedanken zu vermitteln.

Das folgende Material enthält eine Auswahl an Übungen und Anregungen zum Thema Inklusion an hessischen Schulen. Sowohl die Auswahl als auch die Anzahl der Übungen hängt vom Alter und vom Kenntnisstand der Gruppe ab. Ebenfalls davon abhängig sind das Maß der Theorie und der Zeitplan. Jede Klasse geht mit einer anderen Vorstellung und anderen Bedürfnissen in das Projekt, daher ist es besonders wichtig, auf die Schüler*innen einzugehen und Zeitplan und Inhalt individuell an die Gruppe anzupassen. Es ist außerdem möglich, die Unterrichtseinheiten fächerübergreifend zu gestalten, indem beispielsweise die Theorie zum Thema Inklusion im Sozialkunde-Unterricht behandelt wird.

Das offizielle Regelwerk des Deutschen Rollstuhl-Sportverbands e. V. für Rollstuhlbasketball und Mini-Rollstuhlbasketball finden Sie auf der Website des Verbands als PDF-Datei zum Download unter diesen Links:
http://www.drs-rbb.de/das-spiel/regel-crashkurs.html und
http://www.drs-rbb.de/fileadmin/media/drs-rbb/handbuch/HB-B_I--RBB-Regeln.pdf


Diese Unterrichtsreihe entstand in Zusammenarbeit mit Martina Böger, Förderschullehrerin, Bildungsreferentin "Inklusion im Schulsport" der Zentralen Fortbildungseinrichtung für Sportlehrkräfte des Landes (ZFS), und Annika Karkos, Justus-Liebig-Universität Gießen, und freundlicher Unterstützung von:

Deutscher Rollstuhl-Sportverband e. V.
Mainhatten Skywheelers
Zentrale Fortbildung für Sportlehrkräfte (ZFS)